Jahrestagung Weltkirche und Mission: Die Sorge um das gemeinsame Haus

  • Jahrestagung Weltkirche und Mission - 23.06.2017

Planet First – die Sorge um das gemeinsame Haus, unsere Erde, stand als starkes Bild für eine gute Entwicklungspolitik im Zentrum der diesjährigen Jahrestagung Weltkirche und Mission vom 21. bis 23. Juni 2017 in Würzburg, an der rund 140 Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz und aller in der weltkirchlichen Arbeit in Deutschland tätigen Ordensgemeinschaften, (Erz-)Bistümer und Werke teilnahmen. Die Enzyklika Laudato si’ von Papst Franziskus bildete den Mittelpunkt vieler Beiträge zu Fragen von Religion und Entwicklung.

Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, verwies auf die Rahmenbedingungen einer solchen gesellschaftlichen Umkehr. In seinem Eröffnungsstatement benannte er Frieden und gute Regierungsführung als unabdingbare Voraussetzungen dafür, dass sich Menschen entwickeln und entfalten können. „Daher besteht Entwicklungshilfe nicht darin, Almosen zu geben, sondern für eine friedliche und gerechte Weltordnung einzutreten.“

Erzbischof Schick dankte allen, die sich in Deutschland und weltweit in den Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften für die Entwicklung der Völker einsetzten, wobei er das päpstliche Schreiben Populorum progressio von Papst Paul VI. zitierte, das vor 50 Jahren veröffentlicht wurde. Die Teilnehmer der Tagung appellierten an die Weltgemeinschaft, das Engagement für eine gerechte und friedliche Welt noch mehr zu verstärken und verpflichteten sich, sich aus dem Geist des Evangeliums zusammen mit allen Religionen weiterhin für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.

Der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, mit den Teilnehmern.

H. Wiesmann/DBK

Christoph Bals von Germanwatch zeigte sich im einführenden Vortrag von der jüngsten Enzyklika begeistert. Laudato si’ werde auch im säkularen Bereich als Aufruf zur Kehrtwende verstanden. Hier sei auch die Kirche in Deutschland gefordert, Impulse aufzunehmen und sich verstärkt für eine umwelt- und sozialverträgliche Entwicklung auf der Nord- und Südhalbkugel einzusetzen. Er betonte, dass heute jede soziale Frage auch eine ökologische sei. Dabei müsse die Perspektive der Opfer des Klimawandels im Süden und im Norden, beispielsweise der Menschen, denen durch den Kohleausstieg Arbeitslosigkeit drohe, maßgeblich werden. Als wichtigen Meilenstein auf dem Weg der Umkehr forderte er in Anlehnung an Laudato si’: „Die Atmosphäre und die Ozeane müssen Gemeineigentum werden.“

Referenten aus allen Kontinenten beleuchteten verschiedene Dimensionen, wie Religionen zur menschlichen Entwicklung beitragen können. Pater Shay Cullen von den Philippinen hob die Bedeutung von Vergemeinschaftung für die individuelle Entwicklung hervor: „In Gemeinschaft können benachteiligte Menschen ihre eigene Würde erfahren.“ Schwester Alison Munro aus Südafrika berichtete von der Vorreiterrolle, die kirchliche Einrichtungen in ihrem Land im Kampf gegen AIDS eingenommen hätten. Dieses Engagement habe nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Kirche geprägt. „Der Einsatz für die AIDS-Kranken und Ausgegrenzten hat die Kirche in meiner Heimat Südafrika verändert.“

Die Vertreterin des UN-Bevölkerungsfonds, Dr. Azza Karam aus New York, erinnerte in ihrem Beitrag daran, dass leider erst durch religiös verbrämten Terrorismus Religionen in den Blick auch bei Mitarbeitern in den Hauptquartieren von UN-Institutionen geraten seien. Hingegen arbeiteten seit Jahrzehnten viele lokale Büros der Vereinten Nationen mit religiösen Organisationen für Armutsbekämpfung, Bildung, Gesundheit, Frieden und Umweltschutz eng zusammen. Ausgehend von diesen positiven Erfahrungen würden zunehmend die Potentiale von Religionsgemeinschaften geschätzt und systematischer einbezogen: „80 Prozent der Menschheit ist religiös; 30 Prozent der weltweiten Gesundheitsvorsorge wird von Religionsgemeinschaften erbracht“, so Karam.

Erzbischof Pedro Ricardo Barreto Jimeno aus Peru, der vor wenigen Tagen gemeinsam mit Adveniat und Misereor die Bundesregierung zu mehr Engagement gegen die Ausbeutung des Amazonas auch durch deutsche Unternehmen aufforderte, berichtete von den Ausbeutungsstrukturen im Amazonasgebiet. Für ihn verbindet sich – im Engagement für die Menschen dieser Region – der Auftrag für die Bewahrung der Schöpfung mit dem Einsatz für arme und entrechtete Menschen. Das finde gerade auch im politischen Engagement auf nationaler und internationaler Ebene seinen Ausdruck.

Die Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, den Religionen stärkere Aufmerksamkeit zu widmen und sie in ihrem Engagement für die menschliche Entwicklung systematisch wahrzunehmen, stoße auf breite Zustimmung, betonte Monsignore Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von Misereor. „Die Kooperation von staatlichen und kirchlichen Akteuren ist auf vielen Gebieten sinnvoll und hilfreich“, trotzdem sei auf die unterschiedlichen Rollen in der Entwicklungsarbeit zu achten.

© Deutsche Bischofskonferenz