„Zeichen und Wunder sahen wir geschehn“

  • Teilnehmerbericht - 29.06.2016

Zeichen und Wunder sahen wir geschehn“ sangen wir im von der KDW vorbereiteten Morgenlob. Der letzte Tag der diesjährigen Jahrestagung sollte die Ideen, die wir die letzten Tage besprochen hatten, konkreter werden lassen. Wie gehen wir mit der sich ändernden Situation im Nahen Osten und in Europa um? Welche Herausforderungen kommen auf uns zu? Angesichts der Fülle an Herausforderungen sind in der Tat Wunder notwendig.

Dass es Zeichen gibt, erfuhren wir auch im Morgenlob. Wir gedachten des ermordeten P. Franz van der Lucht SJ und der vielen anderen Menschen, die ihr Leben für ihre Mission ließen. Das Engagement dieser Missionare, die nichts anderes anbieten können, als die Liebe Jesu, und die aus ihrer Überzeugung heraus in gefährlichen Regionen leben, ist ein Zeichen.

In diesem Kontext sprachen die Referenten aus dem Libanon und Mali auf dem Abschlusspodium die Herausforderungen aus ihrer Sicht an. In sich verändernden Gesellschaften machte Fr. Fadi Daou erneut deutlich, dass das aktuelle Jahrhundert das Jahrhundert der islamischen Mission sei. Die Christen müssten sich damit beschäftigen und den Muslimen helfen, den Islam neu zu definieren. Darin wurde er auch von seiner muslimischen Kollegin Dr. Nayla Tabbara bestätigt. Sie betonte, dass man die Jugend mit Dialog nicht begeistern könne. Vielmehr müsse man sie mit anderen Angeboten, wie Workshops und Jugendbegegnungen für gemeinsame Handlungen einladen.

P. Adrien Sawadogo erklärte, dass die Begegnung aus dem Glauben heraus erfolgen müsse. Vor allem aber müsse man sich ohne eine „Agenda“ treffen. Die Begegnung müsse im Vordergrund stehen und dafür sei es notwendig, dass man fest in seinem Glauben stehe.

In der Konsequenz heißt das, dass man den Islam nicht als Bedrohung, sondern als Realität sehe, mit der man umgehen müsse. Es sei die Pflicht der Christen sich für Islamunterricht an Schulen einzusetzen. Mit den Lehrstühlen für Islam an deutschen Universtäten würde Deutschland zu den Pionieren einer Erneuerung des Islams gehören, hob Fr. Fadi in seinem Abschlussstatement hervor.

Deutlich wurde auch, dass die Zukunft nur gemeinsam gestaltet werden könne. Dafür müsse man sich gegenseitig entdecken.

Insgesamt haben wir viel gehört und wenig ausgetauscht. Dies wurde in der Auswertung der Veranstaltung auch deutlich angesprochen. Wir hätten uns mehr Diskussionsforen gewünscht, in denen wir von unseren eigenen Erfahrungen hätten berichten können.

Dennoch gehe ich bereichert nach Hause, weil die Referenten uns hoffen lassen. „Wo Menschen sich verbinden, den Hass überwinden, und neu beginnen“ haben wir zum Abschluss des Morgenlobs gesungen.

So wie Peter und Paul, die als erste Missionare gegen viele Widerstände Vorbild waren, wie P. Franz van der Lucht und Sr. Veronika Rackova SSpS, die furchtlos und ganz bewusst in gefährlichen Regionen in der Welt als Missionare tätig waren, den Hass überwunden und Beziehungen aufgebaut haben, so sollten wir nach dieser Tagung uns zum Dialog führen lassen und an den Beziehungen arbeiten – allen Widerständen zum Trotz.

Von Nadim K. Ammann, Erzbistum Köln

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