Sich im Dialog mit dem Anderen berühren lassen

  • Teilnehmerbericht - 27.06.2016

Terrorismus in vielen Ländern, der religiöse Motive behauptet und vermeintlich mit Geboten aus dem Koran gerechtfertigt wird, sowie die Ankunft von zahlreichen Geflüchteten muslimischen Glaubens in Deutschland – das Thema der Jahreskonferenz 2016 ist aktuell und brisant, das zeigt sich auch an der großen Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Wie kann aber Dialog gelingen? Die Antworten von jungen Rückkehrerinnen und Rückkehrerinnen aus Freiwilligendiensten in einem kurzen Video zu Beginn nahmen viel von dem vorweg, was nachher an Gedanken zum Thema entwickelt wurde: „Offenheit, Zuhören, voneinander lernen, Unterschiede aushalten, Zeugnis geben vom eigenen Glauben“ wurden da genannt.

Das Eingangsreferat von P. Prof. Dr. Felix Körner SJ bot dann einen systematischen Überblick über zentrale Aspekte des Dialogverständnisses der katholischen Kirche.

In den anschließenden Diskussionen zeigte sich immer wieder das Spannungsverhältnis zwischen der Bedeutung des interreligiösen Dialogs und dem Verkündigungsauftrag der Kirche. Diese Spannung wurde letztlich auch nicht völlig gelöst.

Dabei wurde mir nochmals deutlich: Dialog braucht Respekt, Achtung vor der Andersheit des Anderen und Toleranz, diese (manchmal auch durchaus unbequeme) Andersheit auch auszuhalten und nicht weg- oder kleinzureden. Die Auseinandersetzung mit dem Anderen stärkt die eigene Identität. Damit Dialog gelingt, müssen alle Beteiligten in Worte fassen, verständlich machen, was ihnen an ihrem Glauben und auch an Werten wichtig ist und was sie vielleicht bisher noch nie ausgesprochen haben.

Gleichzeitig verändern wir uns im Dialog, in der Begegnung mit dem Anderen. Wer sich auf den Anderen und seine Andersheit einlässt, sich von dessen Geschichte, seinen Wunden und Verletzungen, seinen Sorgen und Freuden berühren lässt, ist nicht mehr dieselbe /derselbe wie vorher. Denn im Angesicht des Anderen hat er/sie Christus erkannt.

Bereichernd waren für mich die Beiträge der muslimischen Theologinnen Dr. Armina Omerika und Hamideh Mohagheghi, die einen Einblick gaben in mir bisher nicht vertraute Entwicklungen innerhalb der islamischen Theologie. Der christlich-muslimische Dialog muss auch ein Dialog der Frauen sein.

Von Susanne Brenner, Referentin der Geschäftsleitung, AGEH

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