„Die Armen haben keine Zeit zu warten!“

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  • Würzburg - 18.06.2014

Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg) fordert die Bundesregierung auf, mehr gegen den Hunger in der Welt zu tun. „Dem Millenniumsentwicklungsziel , die Armut in der Welt bis zum Jahr 2015 zu halbieren, müssen weiter alle Anstrengungen gelten. Es ist ein Skandal, dass Menschen hungern, obwohl genug für alle da ist“, sagte er auf der Jahrestagung Weltkirche und Mission 2014 , die vom 16. bis 18. Juni zum Thema „Entwicklung in Nord und Süd – Ziele bestimmen, Zukunft gestalten“ in Würzburg stattfand. Zugleich appellierte er dafür, keine Lebensmittel wegzuwerfen und den Raubbau an der Natur durch eine neue Genügsamkeit zu ersetzen.

Vertreterinnen und Vertreter der weltkirchlichen Arbeit in Deutschland richteten bei der Jahrestagung ihren Blick auf die globale Entwicklungsagenda . „Jegliche Form der Exklusion sowie der Marginalisierung des Menschen durch den Menschen sind unvereinbar mit der grundlegenden christlichen Gotteserfahrung“, unterstrich Bischof Dr. Norbert Strotmann aus Lima. Angesichts der immer stärker werdenden Verflechtung zwischen Nord und Süd, des Klimawandels , globaler Krisen und abnehmender natürlicher Ressourcen müsse die Frage nach einem guten Leben für alle Menschen neu gestellt werden.

Bischof Norbert Strotmann: „Wir möchten Spitze-sein im Da-sein für andere.“ Przybylski / weltkirche.katholisch.de

Frau Dr. Imme Scholz, stellvertretende Direktorin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, skizzierte die internationale Debatte um ein zukunftsfähiges Modell des globalen Zusammenlebens. Darin müsse die Wirtschaft in ihre ökologischen Grenzen zurückgeführt werden. Sie betonte, dass die Perspektive der Entwicklungsländer stärker berücksichtigt werden müsse.

Menschenrechte als Basis der künftigen Entwicklungsagenda

Die Teilnehmenden der Jahrestagung waren sich einig, dass die Menschenrechte in der künftigen Entwicklungsagenda zu verankern seien. Sie hoben dabei das besondere Potenzial der Kirche als Global Player hervor. Die Kirche könne dazu beitragen, die zukünftigen Entwicklungsziele unter stärkerer Beteiligung der Zivilgesellschaft im Norden und im Süden zu definieren und dabei die Perspektive der Armen und Ohnmächtigen einbringen. Gerade in den Industrieländern sei eine Orientierung am Leitbild der ökologischen Nachhaltigkeit geboten.

Der Apostolische Nuntius, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, erinnerte an die Beiträge des Heiligen Stuhls zur zukünftigen internationalen Entwicklungszusammenarbeit. „Allen ist bekannt, wie wichtig dem Papst die Sorge um eine bessere Entwicklung in der Welt ist – eine Entwicklung, welche die großen Unterschiede vermindert und nicht weiter vertieft.“ Papst Franziskus schlage nichts weniger als einen Richtungswechsel vor, der die menschliche Person ins Zentrum aller politischen und ökonomischen Entscheidungen stelle. „Wir haben zwar eine wirtschaftliche Krise in Europa, aber die Armen dieser Welt haben keine Zeit zu warten.“ Besondere Sorge gelte der jungen Generation, aber auch den Menschen an ihrem Lebensende.

Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), referiert beim Podiumsgespräch der Jahrestagung. Przybylski / weltkirche.katholisch.de

Bundesregierung hält am 0,7-Prozent-Ziel fest

Mit Blick auf die Zusammenarbeit zwischen der Bundesregierung und zivilgesellschaftlichen Akteuren in Deutschland verwies der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Thomas Silberhorn, auf die Zukunftscharta des Ministeriums. Ziel dieser Zukunftscharta sei es, die Kompetenzen von Nichtregierungsorganisationen, Kirchen und Privatpersonen in die Diskussion um die Post-2015-Agenda einzubinden.

Silberhorn versicherte ausdrücklich, die Bundesregierung halte an dem Versprechen fest, 0,7 Prozent des Bruttoinlandproduktes für die Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung zu stellen.

Zum Abschluss der Jahrestagung formulierten die weltkirchlichen Akteure konkrete Handlungsoptionen in den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Arbeit und Klimaschutz. Erzbischof Schick resümierte, dass die künftige Entwicklungsagenda ökologische, soziale, ökonomische und kulturelle Aspekte gleichermaßen berücksichtigen müsse.

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