Abschlusserklärung der Jahrestagung Weltkirche und Mission 2013

  • Würzburg - 29.05.2013

Die Sklaverei ist nicht vorbei – Menschenhandel heute bekämpfen“. Zu diesem Thema versammelten sich vom 27. bis 29. Mai 2013 weltkirchliche Akteure aus ganz Deutschland in Würzburg. Als Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben wir uns mit den komplexen Herausforderungen des durch den Menschenhandel bedingten globalen Unrechts befasst. In unserem Engagement gegen den Menschenhandel sind wir den Opfern und unseren Partnern weltweit verbunden, die unter hohen Risiken diesen Menschen zur Seite stehen.

„Der Menschenhandel ist die am weitesten verbreitete Sklaverei unseres Jahrhunderts.“

— Papst Franziskus in seiner Osterbotschaft 2013

Erschütternde Berichte über das Leid der Opfer des Menschenhandels in Mexiko, Indien, Weißrussland, Libanon, Simbabwe und auch in Deutschland haben uns eindrucksvoll die unterschiedlichen Gesichter des Menschenhandels vor Augen geführt.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) geht davon aus, dass allein in der Europäische Union rund 880.000 Menschen leben, die von Menschenhandel betroffen sind. Die unter dem Begriff Menschenhandel zusammengefassten Phänomene sind vielgestaltig und beziehen sich auf unterschiedliche Formen krimineller Aktivitäten, insbesondere zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft. Weitere Tatbestände wie Zwangsverheiratung, erzwungene Betteltätigkeit, Organhandel und illegale Adoptionen gehören ebenfalls zu den Erscheinungsformen des Menschenhandels.

Die „EU-Richtlinie zur Bekämpfung des Menschenhandels“, die 2011 verabschiedet wurde, zielt auf einen besseren Schutz der Opfer, sieht aber auch eine deutlich schärfere Verfolgung der Täter vor. Diese EU-Richtlinie sollte bis April 2013 von allen Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt werden, was bisher aber nur in sechs Staaten geschehen ist. Auch die Bundesrepublik Deutschland hat diese Frist verstreichen lassen.

Als Christen sind wir herausgefordert, die Sendung Jesu Christi fortzuführen. Diese besteht darin, den Armen die gute Nachricht zu bringen, den Gefangenen die Entlassung zu verkünden, den Blinden das Augenlicht und die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen (vgl. Lk 4,18–19). Jesus war gesandt, allen Menschen das Leben in Fülle zu verheißen (vgl. Joh 10,10). Diesem Sendungsauftrag verpflichtet, können wir Christen uns nicht mit dem himmelschreienden Unrecht des Menschenhandels abfinden, der Menschen zu einer reinen Ware degradiert und ihre Würde missachtet.

Von Papst Franziskus fühlen wir uns ermutigt, wenn er noch vor seiner Wahl den versammelten Kardinälen erklärt: „Die Kirche ist aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen und an die Ränder zu gehen. Nicht nur an die geografischen Ränder, sondern an die Grenzen der menschlichen Existenz: die des Mysteriums der Sünde, die des Schmerzes, die der Ungerechtigkeit, die der Ignoranz, die der fehlenden religiösen Praxis, die des Denkens, die jeglichen Elends.“

Wir sind uns bewusst geworden, dass wir durch unseren Konsum und Lebensstil unter Umständen auch Nutznießer des Menschenhandels werden können.

Als weltkirchliche Akteure verpflichten wir uns daher selbst:

  • Wir unterstützen unsere Projektpartner weltweit in ihren Initiativen zur Bekämpfung des Menschenhandels. Dazu gehören der Aufbau von Beratungsstrukturen und die Schaffung von Einrichtungen zum Schutz und zur Versorgung der Opfer. Im Dialog mit unseren Partnern entwickeln wir gemeinsam Sensibilität für Situationen von Ausbeutung und Menschenhandel und regen entsprechende Bemühungen an. Wir sind aufgefordert, gemeinsam die Ursachen und Bedingungen von Menschenhandel aufzudecken und zu bekämpfen.
  • Wir verstärken Vorhaben der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit, um in Deutschland über die Hintergründe des Menschenhandels und die damit verbundenen Herausforderungen zu informieren. Wir fördern ebenso Initiativen in unseren Partnerländern zur Aufklärung über Gefährdungen und Ausbeutungsversuche durch verbrecherische Organisationen des Menschenhandels.
  • Wir suchen Gespräche mit Verantwortungsträgern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um auf Phänomene von Menschenhandel aufmerksam zu machen, den Kampf gegen das organisierte Verbrechen zu intensivieren und Gerechtigkeit für die Opfer des Menschenhandels einzufordern.

Von der Bundesregierung bzw. den Länderregierungen und den Parlamenten fordern wir:

  • die unverzügliche und vollständige Umsetzung der „EU-Richtlinie zur Bekämpfung des Menschenhandels“ in deutsches Recht,
  • eine an der Realität orientierte kritische Überprüfung des Prostitutionsgesetzes vom Dezember 2001,
  • eine kostendeckende Regelfinanzierung für Fachberatungsstellen und für sichere Unterbringung der Opfer von Menschenhandel in geeigneten Schutzunterkünften,
  • eine Bleiberechtsregelung für die Opfer des Menschenhandels, die humanen Anforderungen genügt und die Strafverfolgung der Täter erleichtert.

Unsere Anerkennung gebührt den vielen Frauen und Männern, die sich unermüdlich für die Rechte der Betroffenen und die Achtung ihrer Menschenwürde einsetzen. In diesem Bereich ist eine tatkräftigere Unterstützung durch Männer erforderlich. Denn das Thema geht uns alle an.

Konferenz Weltkirche

In der Konferenz Weltkirche, die die Jahrestagung organisiert hat, sind Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, der Ordensgemeinschaften, der Diözesen, der katholischen Hilfswerke, des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und weiterer weltkirchlicher Einrichtungen vertreten. Die Konferenz Weltkirche dient der Koordinierung und Intensivierung der weltkirchlichen Arbeit der katholischen Kirche in Deutschland.

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